Mit den Chefbloggern im Urlaub kann ich hier ja eine echte One-Man-Show abziehen und eure ungeteilte Aufmerksamkeit genießen. Heute also das dritte “Album der Woche” in Folge.
Die DJ-Kicks Reihe stellt so etwas wie den Ritterschlag für einen DJ dar – und wenn eine DJ-Kicks auch gleich die erste Mix-CD ist, die man veröffentlicht, kann man zu Recht stolz auf sich sein. Man kann aber auch dann stolz auf sich sein, wenn die ersten Platten eines der aktuell besten deutschen House-Produzenten auf dem eigenen Label veröffentlicht worden sind. Aber zurück zum Mix: dieser ist eine angenehm eklektische Angelegenheit, die einerseits Danilos musikalische Vorlieben widerspiegelt, andererseits aber auch gut als Warm-Up Programm im eigenen Wohnzimmer funktioniert. Must have, ist ja klar.
Mit “I Bet You Look Good On The Dancefloor” haben die Arctic Monkeys irgendwann eigentlich nur noch genervt, doch ihr mittlerweile viertes Album “Suck It And See” weiß wieder zu gefallen. Weniger auf den Dancefloor ausgerichtet überzeugt es mit viel Atmosphäre durch dezente Prog-Rock anleihen. Mit diesem wikommenen Psychedelic-Schwenk, der ihre Entwicklung seit “Humbug” logisch fortsetzt, erinnern sie mich an meine persönlichen Helden des Brit-Rock, The Coral – und das ist auf jeden Fall etwas Gutes.
Der Sound von Ed Banger macht sich ja schon seit Jahren breit in den Clubs, und die meisten seiner Vertreter haben es auch schon längst geschafft, Alben zu veröffentlichen. SebastiAn aber hat sich bis jetzt Zeit gelassen, und so mag sich “Total” vielleicht überholt anhören, ergibt aber als eine Art Best of SebastiAn dann doch wieder Sinn. “Ross Ross Ross” zum Beispiel ist schon sechs Jahre alt, passt aber hervorragend zu den neueren Produktionen die mit so illustren Gästen wie Mayer Hawthorne oder M.I.A. aufwarten. The Kids still want New-Rave, und hier kriegen sie die volle Dröhnung – vielleicht auch eine Art Schlussstrich.
Der Traum vom Fliegen ist uralt. Und so langsam aber sicher scheint es so, als ob er bald wahr werden könnte. Die Vorboten sind eindeutig Lil Amok und Petair. Die beiden deutschen B-Boys scheinen einige eingepeitschte Wahrheiten meines damaligen Physiklehrers eindrucksvoll zu widerlegen. Mögliche Erklärungsansätze: in Wahrheit ist das eine Show von David Copperfield, der die beiden fliegen lässt, es handelt sich hier gar nicht um Menschen, oder die Jungs haben einfach Antigravitation-Pillen geschluckt.
Die Augenzucker-Lieferanten sind für mich so ein bisschen die Les Twins des Breakdance.
Diese Woche gibt es wieder etwas Cross-Over, allerdings eine etwas typischere Variante als die von Hauschka, nämlich die Mischung von Elektronik und Folk. Ben Benjamins Produktionen erinnern etwas an die Groove-Skizzen von Six-Too, veredelt durch stimmungsvolle Melodien – Ben bezeichnet seinen Sound dementsprechend auch als emotionale Notizen. Der Titel seines zweiten Albums, das vor zehn Jahren entstanden ist aber erst jetzt erscheint, verweist zudem prägnant darauf, für welche Hörsituationen diese Notizen geeignet sind. Und da man Ablenkung eigentlich immer gebrauchen kann, wird Ben Benjamin wohl viele Hörer gewinnen können.
Personal Jesus – Stargate Mix. Ohh da kündigt sich ein 3-CD Remix Album von Depeche Mode an. Wahnsinn – wie lange es die Herren am Elektro-Pophimmel aushalten. Depeche Mode war eines meiner ersten Konzerte … in der Sporthalle Böblingen. Dave war damals schon ein Held. Und jetzt haben sie sich den Status der unantastbaren artifiziellen Kultband erspielt. Zeit sich mal richtig remixen zu lassen. Und als Promovideo auch gleich wieder einen Volltreffer. Hexenjagd in Schwarz/Weiß. Ohne die Herren. Man möchte sich ja nicht so in Vordergrund stellen. So als Ikonen. Good Job!
Hinter Austra steckt die kanadische Sängerin Katie Stelamis, die eigentlich zur klassischen Opernsängerin ausgebildet worden ist, sich dann aber doch dafür entschieden hat, Popmusik zu machen. Keine schlechte Entscheidung, denn so bekommt der leicht düster und melancholisch angehauchte Elektropop von Austra das Sahnehäubchen aufgesetzt, dass ihn zu etwas ganz besonderem macht. Die Weltuntergangsstimmung, die die Synthesizer und die Halleffekte verbreiten wird so konterkariert von einer Stimme, die einem vermittelt, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Eine gelungene Mischung.
Okay das geht immer. Aber hier ist es doch sehr eigenwillig umgesetzt! Und ich glaube nicht, dass nur der Aufmerksamkeitsaspekt im Vordergund stand. Aber für den Klickerfolg im Netz wird es schon helfen. Die dänisch-französische Elektroband “Elektrik Gonner“ lanciert für ihren Song “Uknowwhatiwant” dieses doch sehr freizügige Video. Ich wette sie beobachten im Moment selber wie oft es irgendwo in einem Blog erscheint oder angeschaut wird. Ich helfe gerne… (okay – ich spekuliere mit der Headline natürlich auch auf Klicks …!)
Wir lieben alles, was das Leben ein wenig stilvoller macht - ob Design, Film, Musik, Interior oder Mode. In neeo berichten wir über das, was wir täglich spannend und lesenswert finden.