Es scheint, als würden The Go! Team nie aufhören, Spaß zu machen. Auf ihrem mittlerweile dritten dritten Album rumpeln und grooven die Briten um Ian Parton als gäbe es kein Morgen, als müssten alle Ideen, die sie haben, schon heute verbraten werden. Einen Unterschied gibt es aber im Vergleich zu den früheren Produktionen, denn Rolling Blackouts klingt etwas sauberer produziert, die vielen Sounds sind klarer zu identifizieren, so dass langsame Nummern wie “Super Triangle” ihre Wirkung voll entfalten können. Gerade deswegen ihr bisher bestes Album.
Der Bandname lässt ja eher eine Heavy-Metal oder Hardcore Band vermuten, doch wer das ein oder andere Musikblog liest weiß schon, dass Destroyer sich daran machen, dieses Jahr den Erfolg zu erlangen, der ihnen zusteht. Die nach Großstadtnächten klingenden Songs, die gelegentlich auch mal epische Längen von acht bis elf Minuten erreichen, vereinen dezent groovende Elektronik mit pointierten Bläsersätzen und traumhaft schönen Melodien. Diese bereits seit 1995 aktiven Kanadier haben es auf jeden Fall verdient, auch in Deutschland mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.
Schon seit Mitte letzten Jahres herrscht ein ziemlicher Hype um dieses Ehepaar aus Denver. Zum einen passt natürlich ihr entspannter Lo-Fi-Soft-Rock recht gut zum Zeitgeist wie ihn Best Coast oder Beach House repräsentieren; zum anderen ist aber auch die Entstehung des Albums bemerkenswert, denn Alaina Moore und ihr Ehemann Patrick Riley verarbeiten darauf ihren siebenmonatigen Segheltörn entlang der nordatlantischen Küste. Segeln passt ohnehin gut zu Tennis, ist aber beides deutlich anstrengender als dieses äußerst entspannte Album, das ab nächster Woche endlich erhältlich ist.
Clive Tanakas Lo-Fi-House Album ist eigentlich schon im Herbst letzten Jahres erschienen, damals allerdings auf, kein Witz, MC (ihr wisst schon, Audiokassetten, die man mit einem Walkman (R.I.P.) abspielen konnte). Auch darüber hinaus ist Clive Tanaka ein Spaßvogel, denn seine Musik entsteht ganz ohne das Zutun eines Orchesters, während der Sound seiner Produktionen für den echten Jet Set nicht glamourös genug und viel zu roh ist. Alle anderen können sich aber über ein starkes House Album mit heftigen Italo-Disco Einflüssen und dementsprechend viel Pop-Appeal freuen. Ab dem 11. Januar ist das Album auch offiziell als Download erhältlich.
Heute in einer Woche werdet ihr hoffentlich nicht mehr vor dem Computermonitor rumhängen und Blogs lesen, sondern euch mit der (Ersatz)Familie auf den Heiligabend vorbereiten und euch auf die Bescherung freuen. Und um Weihnachten auch gebührend zu feiern habe ich diese Woche für euch ein Weihnachtsalbum ausgesucht.
Kein typisches allerdings, denn “Christmas.” von Parenthetical Girls versammelt die bisher erschienenen Weihnachtssingles der Band und reicht dabei von schwermütigen Schlafzimmeraufnahmen zu ausproduzierten Synth-Pop-Nummern. Das Album ist für sechs Dollar auf Bandcamp erhältlich, wo man es an Heiligabend aber auch einfach streamen kann.
Wie schon letzte Woche auch heute eine von den 19060ern inspirierte französische Band. The Liminanas fühlen sich allerdings eher der schrammeligen Ästhetik von Garage-Rock verpflichtet, als der Opulenz von Psychedelic-Rock. Anders als The Bewitched Hands singen sie auch fast ausschließlich auf Französisch – und das trotz der englischen Titel der meisten Songs.
Ach ja, die Songs: Sie sind meist unter drei Minuten lang, die Vocals werden eher gesprochen als gesungen und sind in ihrer Grundstimmung tendenziell düster. Selbst verspielte Nummern wie “Chocolate In My Milk” haben einen Twist und lassen The Liminanas wirken wie die weniger optimistischen Zwillinge von Best Coast.
The Bewitched Hands aus Frankreich legen mit ihrem Debütalbum ein hervorragendes und psychedelisch angehauchtes Folk-Pop Album vor. Nach zwei EPs mit denen das Sextet aus Reims seinen opulenten Sound perfektioniert hat, wissen die sechs nun auch auf Albumlänge mit schönen Melodien und vor allem ganz viel Atmosphäre zu überzeugen. Selbst Songs wie Work, die als reduzierte Balladen anfangen, entwickeln sich bald zu regelrechten Psychedelic-Rock Hymnen mit sympathischem Sixties-Flair. Nicht nur Birds & Drums, sondern auch Guitars, Strings & Choirs.
Zum zehnjährigen Jubiläum ihres ersten Albums “Echoman” besinnen sich Chicken Lips auf die Anfänge elektronischer Muisk und spielen auf “Experience Of Malfunction” reduzierten Electro-Funk. Einige wenige, knarzende Synthesizer Sounds, dazu Drummachines, das ist im Grunde alles, was die vier Jungs brauchen um eine Party zu feiern. Ab und an erklingt die Stimme von Jonny Spencer, um einige Tracks angenehm poppig zu gestalten, ansonsten bleibt dieses Album klar die Spielwiese von Electro-Nerds. Und das Beste ist: Wir dürfen mitspielen.
Die russischen Futuristen sind eigentlich nur einer, nämlich Matthew Adam Hart aus Toronto. Angefangen hat er als Hip-Hop Produzent, hat sich dann aber lo-fi Pop zugewandt und veröffentlicht nun, mit dem vierten Russian Scientists Album, ein fett produziertes Synth-Pop Album mit dezenten Hip-Hop Anspielungen.
“Plates” zum Beispiel beginnt mit einem kurzen, geloopten Sample und lässt dann den klassischen Boom-Bap Beat kommen, doch Matt Hart singt darüber genüsslich seine süßlichen Pop-Vocals. Eine interessante und vielversprechende Entwicklung hat der junge Mann da durchgemacht.
Die Queens Of The Stone Age haben es recht gut raus ihren Stoner-Rock ziemlich knüppelhart rüber zu bringen – da freut es einen doch, wenn ihr aktueller Bassist Michael Shuman mit seiner Band Mini Mansions die entgegen gesetzte Richtung eingeschlagen hat. Es dröhnt und scheppert zwar an allen Ecken und Enden und auch dezente Psychedelic-Rock Einflüsse sind zu vernehmen, doch hier dominieren eindeutig die Melodien und der poppige Gesang. Wie schon beim Broken Bells Album Anfang des Jahres hat man es hier einfach mit verspieltem und fast schon zeitlosem Pop-Rock zu tun. Eine gelungene Überraschung.
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