Nach ihrem dritten Album hat das Brooklyner Trio Au Revoir Simone nun ein grossartiges Remix-Album veröffentlicht: Night Light heisst das gute Stück, das durch grandiose Remixe von u.a. Aeroplane, Silver Columns, Montag und Neon Indian sowie durch komplett neuarrangierte Songs besticht. Besonders herausragend ist die von Jens Lekman clever interpretierte ¾ Takt-Walzer-Version des Tracks “Shadows”. Insgesamt verbreitet die CD das Feeling eines schwülen Sommers – und ist dabei einfach herrlich schön!
Nachdem die Veröffentlichung hier bereits angekündigt worden ist und auch das Konzert in Berlin eine Erwähnung fand war es ja eigentlich klar, dass das neue Prince Album auch in dieser Rubrik einen Platz findet. Aber diesen hat es auch verdient, denn es ist das beste Prince Album seit mindestens “Musicology” von 2006, wenn nicht noch länger. Thematisch und klanglich funktioniert das Album wie eine Zeitreise zu den Anfängen von Prince, dank vor Sex berstender Funk-Tracks wie “Sticky Like Glue” und lasziver Soul-Nummern wie “Sea Of Everything”.
Die Ansage ist also ganz klar: am 22. Juli zum Kiosk eures Vertrauens gehen und sich die aktuelle Ausgabe des Rolling Stone kaufen, der das Album beiliegt.
Wenn es eine Band gibt, auf die eigentlich immer Verlass ist, dann sind das I Am Kloot. Seit 2001 bearbeiten die drei Briten das gleiche emotionale Feld, und auch Tempo und Instrumentierung sind im Grunde immer die gleichen. Auch auf dem aktuellen Album dominieren die akustische Gitarre und das dezent gespielte Schlagzeug, wobei der Sound auch dieses Mal ab und an etwas fulminanter wird durch gezielten Einsatz von Hall oder Streichern.
Alles in allem liefern I Am Kloot aber erneut ein wundervoll melancholisches Album ab, das eigentlich besser zum Herbst passt als zu den gegenwärtigen Temperaturen. Man kann es sich ja auch jetzt schon kaufen und erst im November hören.
Diese Woche ist das neue Broken Social Scene Album erschienen und da kann es schnell passieren, dass eine andere kanadische Band, deren Album letzte Woche veröffentlicht worden ist, übersehen wird. Die Rede ist von Stars, die mit “The Five Ghosts” ihr mittlerweile fünftes Album vorlegen. Opulenter Pop-Rock, dazu der wehmütige Gesang von Amy Millan und Torquil Campbell, eigentlich ist alles beim alten. Aber der oft massive, flächige Synthesizereinsatz und die gelegentlichen elektronischen Beats sind hier deutlich präsenter als früher und lassen die neuen Songs sehr modern klingen. Was ihnen meiner Meinung nach durchaus gut zu Gesicht steht.
Draußen ist es kalt und regnerisch, in der Regierung geht es drunter und drüber und auch die Fußball-WM lässt bis auf die Vuvuzela-Aufregung Höhepunkte vermissen. Nina Nastasias aktuellstes Album “Outlaster” passt mit seiner tief traurigen Stimmung ganz gut dazu – es kann aber auch mit seiner opulenten, orchestralen Instrumentierung ein angenehm wohliges Gefühl vermitteln. Am ehesten kann man das Ganze mit dem neuen Werk von Joanna Newsom vergleichen, würde damit aber keiner der beiden Frauen gerecht werden. Aber eine ungefähre Vorstellung davon, worauf man sich hier einlässt, vermittelt der Vergleich schon.
In eigener Sache möchte ich mich noch für das nette Lob bedanken, das diese Rubrik im Rahmen des Gewinnspiels erhalten hat. Vielen Dank.
Die Kölner Von Spar melden sich nach drei Jahren Pause zurück mit einem Album, das die Experimentierfreude des Vorgängers zu Gunsten klassischer Songstrukturen stark reduziert. Es wird zwar immer noch fleißig mit Genres wie Krautrock, Industrial, Italo-Disco und House herumexperimentiert, doch die acht etwa fünfminütigen Tracks sind dann doch deutlich hörbarer als die zwei Zwanzigminüter des Vorgängers. Mit “TrOOps” ist sogar ein echter Popsong vertreten, während der Großteil der Tracks eher eine düstere, retrofuturistische Atmosphäre, ähnlich einem 1970er Jahre Science-Fiction Film, verbreitet.
Groß war die Vorfreude auf das neue, zehnte Album von The Divine Comedy, nachdem die erste Single “At the Indie Disco” ausgekoppelt worden ist – und man kann getrost sagen, dass Neil Hannon die Erwartungen voll auf erfüllt hat. Der Mann scheint mit zunehmendem Alter immer cooler und zufriedener zu werden, denn die Arrangements sind noch swingender und fulminanter und die Texte noch witziger und geistreicher.
Hervorzuheben ist da vor allem die zynische Ode an die Weltwirtschaftskrise “The Complete Banker”, aber die anderen Nummern stehen diesem Song in nichts nach. Mein persönliches Highlight ist “Can You Stand Upon One Leg?”, in dem Hannon von Aufgaben singt, die schwerer sind, als sie aussehen, wie zum Beispiel das Halten eines Tones. Wenn er dann in der letzten Strophe tatsächlich für 29 Sekunden einen einzigen Ton hält, kann man vor lauter Staunen nur noch lachen.
Sehr gerne wird Ariel Pink in einen Topf geworfen mit freak folkern wie Panda Bear oder Joanna Newsom, was bei seine Lo-Fi Soloarbeiten auch angebracht sein mag. Mit seiner Band Haunted Graffiti allerdings legt er ein Rockalbum vor, das mit seiner rotzigen Attitüde (auch der Soundqualität gegenüber) an selige Punk und Garage Rock Zeiten erinnert.
Die erste Single „Round and Round“ ist da nicht unbedingt repräsentativ, wobei der Sinn für schöne Melodien und verschrobenen Pop auch den anderen Songs anzumerken ist – nur dass die Gitarren dann eben verzerrter klingen und das Schlagzeug etwas mehr scheppert.
Von Konzeptalben erwartet man für gewöhnlich, dass sie sich höchstens verkopft anhören, traut ihnen aber mit Sicherheit nicht zu, dass sie auch sehr emotional und fast schon sexy sein können. Nun, der Produzent Ryan Olson hat über den Zeitraum eines Jahres 25 Musiker um sich geschart um ein Album mit folgendem Konzept aufzunehmen: Es soll klingen wie “I’m not in Love” von 10cc und konstant mit 69 Bpm gespielt werden.
Doch dieses enge Korsett wird tatsächlich mit der gelungensten und dichtesten Hommage an Soft-Rock gefüllt, seit… naja, seit der Hochzeit des Soft-Rock in den späten 1970ern. Einige elektronische Spielereien (Samples, Synthesizer und Verzerrer) verleihen dem ganzen schließlich einen sehr aktuellen Anstrich und lassen hier und da auch einen dezenten Psychedelic-Rock Einfluss durchschimmern.
Würde man Future Islands in einer instrumentalen Version hören, könnte man sie recht einfach als tanzbare Electro-Pop Band abtun, deren Tracks durch einige melancholische Gitarrenakkorde einen etwas düsteren Anstrich erhalten. Dann ist da aber doch noch die Stimme des Sängers Samuel T. Herring, die einem nach den ersten 30 Sekunden des Openers „Walking Through That Door“ regelrecht den Boden unter den Füßen wegzieht. Dieses tiefer gelegte, brummende Organ vermittelt im einen Moment so viel Tragik und im nächsten so viel Lebensfreude, dass man nicht anders kann, als die Band tief beeindruckt in sein Herz zu schleißen.
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