Mit Soundtracks ist es eigentlich immer das gleiche: Hat man einen hervorragenden Film gesehen, sollen sie die Erinnerung daran beim Hören immer wieder wach rufen – aber sie bleiben doch nur Ersatz.
Chilly Gonzales hat das ganze Konzept deswegen auf den Kopf gestellt und den Soundtrack zu seinem kommenden Film schon vorab veröffentlicht. Die tanzbaren House- und Disco-Nummern (natürlich wieder mit Klavierbegleitung) schaffen es darum einerseits wie erwartet die Vorfreude auf “Ivory Tower” zu steigern, funktionieren aber auch andererseits, ohne den Anspruch uns an etwas erinnern zu wollen, hervorragend als eigenständiges Album. Wie immer bei Gonzales sind die Tracks schön abwechslungsreich und leicht verschroben – nicht zuletzt, weil er seit langem auch wieder rapt!
Letztens wurde gefordert, mehr lokale Künstler zu hypen. Bitte schön!
Danilo Plessow als Lokalhelden zu feiern funktioniert allerdings auch nicht mehr, schon seit Jahren ist der mittlerweile 25 jährige mehr außerhalb des Kessels unterwegs. Momentan ist er an der amerikanischen Westküste auf Tour, letztens auf Ibiza zu Gast und bestimmt bald wieder in London, Paris oder Tokio.
Sound-mäßig dreht sich bei seinem “Motor City Drum Ensemble” Projekt alles um “House Music” im weitesten Sinne. Empfehlenswert der Pressetext auf seiner Facebookseite. Die aktuelle Edition der HUGO Tracks zeigt einen kleinen Einblick in seine musikalische Welt und einen exklusiven Track von Ihm gibt es als gratis download dazu.
Wer jetzt ankommt und meint der Robin macht wieder “buddy business” hat recht. Whatever!
Zugegeben, es ist schon etwas seltsam eine EP zum Album der Woche zu machen. Allerdings ist Sufjan Stevens aktuellste und unangekündigt erschienene Veröffentlichung nur dem Namen nach eine EP – mit einer Laufzeit von knapp über 59 Minuten bei acht Tracks ist sie zum Beispiel schon mal länger als das Album der letzten Woche. Ansonsten erwartet hier den geneigten Hörer der gewohnte Sufjan Stevens Kosmos: Orchestral instrumentierte Epen, wie die beiden unterschiedlichen Versionen des Kernstücks “All Delighted People”, und kurze, nur aus Gitarre und Stimme bestehende Skizzen, wie das dreiminütige Stück “Heirloom”. Das Album Die EP ist vorerst nur digital über Bandcamp erhältlich, soll aber im Winter auch auf Vinyl erscheinen. Zwischenzeitlich erscheint dann auch endlich ein neues Album.
Mit “Gold on Gold” legt das australische Trio Clubfeet ein Debütalbum vor, das einem den Spätsommer mit abwechslungsreichem und unterhaltsamem Electro-Pop versüßen kann. Die beiden Sänger changieren gekonnt zwischen melancholisch und euphorisch und zeigen, dass sie auf jeden Fall mehr sind, als die Hot Chip Epigonen, für die manch ein Kritiker sie hält. Viele Songs, insbesondere “Teenage Suicide”, beweisen zudem so viel bissigen Humor, dass es wirklich eine Schande wäre, diese Band links liegen zu lassen, nur weil sie kaum mit musikalischen Innovationen aufwartet.
“I love the City, but I hate the City” hat mir ein japanischer Freund neulich anvertraut, und eigentlich könnte das auch die Langfassung des Titels von Matthew Dears viertem Studioalbum sein. Die Titel gebende Black City, die Matthew Dear mit seiner sonoren Stimme besingt, scheint nämlich reichlich gute Clubs zu haben, in denen futuristisch-verspulte Dance-Music läuft, in denen aber auch viele verlorene Gestalten nach ihrem Glück suchen. Der Totem, mit dem man das Album erstehen kann, macht den widersprüchlichen Sound des Albums auf einzigartige Weise sichtbar: kalt und kantig, dabei aber von einer schlichten Schönheit.
Bekannt wurde Seu Jorge 2004 durch Wes Andersons Film “Die Tiefseetaucher” mit Bill Murray in der Hauptrolle. Seu Jorge sitzt, steht oder lehnt dort immer wieder mal irgendwo mit seiner akustischen Gitarre herum und singt David Bowie Songs auf brasilianisch.
Dieses Bild passt sehr gut zu seiner Musik, denn seine Roots liegen eindeutig in der brasilianischen Tropicalia Musik, deren berühmteste Vertreter u.a. Caetano Veloso, Jorge Ben und Cal Costa waren. Tropicalia Musik verband brasilianische Musik mit (Glam) Rock, Funk, Psychedelica, Reggae usw. – eigentlich mit allen Stilen die es in der Zeit von 1967- 1975 gab.
Und genauso klingt Seu Jorges neues Album, nur auf die heutige Zeit übersetzt. Besonders hervorzuheben sind wieder einmal (wie im Film) die Coverversionen: “Das Model” von Kraftwerk mit dubbigen Reggaesounds und 60’s Surfgitarren, eine ganz relaxte Version von Michael Jacksons “Rock With You” und der Soul Klassiker “Everybody Loves The Sunshine”, bei dem Seu Jorge wie der auferstandene Barry White klingt.
Nach ihrem dritten Album hat das Brooklyner Trio Au Revoir Simone nun ein grossartiges Remix-Album veröffentlicht: Night Light heisst das gute Stück, das durch grandiose Remixe von u.a. Aeroplane, Silver Columns, Montag und Neon Indian sowie durch komplett neuarrangierte Songs besticht. Besonders herausragend ist die von Jens Lekman clever interpretierte ¾ Takt-Walzer-Version des Tracks “Shadows”. Insgesamt verbreitet die CD das Feeling eines schwülen Sommers – und ist dabei einfach herrlich schön!
Nachdem die Veröffentlichung hier bereits angekündigt worden ist und auch das Konzert in Berlin eine Erwähnung fand war es ja eigentlich klar, dass das neue Prince Album auch in dieser Rubrik einen Platz findet. Aber diesen hat es auch verdient, denn es ist das beste Prince Album seit mindestens “Musicology” von 2006, wenn nicht noch länger. Thematisch und klanglich funktioniert das Album wie eine Zeitreise zu den Anfängen von Prince, dank vor Sex berstender Funk-Tracks wie “Sticky Like Glue” und lasziver Soul-Nummern wie “Sea Of Everything”.
Die Ansage ist also ganz klar: am 22. Juli zum Kiosk eures Vertrauens gehen und sich die aktuelle Ausgabe des Rolling Stone kaufen, der das Album beiliegt.
Wenn es eine Band gibt, auf die eigentlich immer Verlass ist, dann sind das I Am Kloot. Seit 2001 bearbeiten die drei Briten das gleiche emotionale Feld, und auch Tempo und Instrumentierung sind im Grunde immer die gleichen. Auch auf dem aktuellen Album dominieren die akustische Gitarre und das dezent gespielte Schlagzeug, wobei der Sound auch dieses Mal ab und an etwas fulminanter wird durch gezielten Einsatz von Hall oder Streichern.
Alles in allem liefern I Am Kloot aber erneut ein wundervoll melancholisches Album ab, das eigentlich besser zum Herbst passt als zu den gegenwärtigen Temperaturen. Man kann es sich ja auch jetzt schon kaufen und erst im November hören.
Diese Woche ist das neue Broken Social Scene Album erschienen und da kann es schnell passieren, dass eine andere kanadische Band, deren Album letzte Woche veröffentlicht worden ist, übersehen wird. Die Rede ist von Stars, die mit “The Five Ghosts” ihr mittlerweile fünftes Album vorlegen. Opulenter Pop-Rock, dazu der wehmütige Gesang von Amy Millan und Torquil Campbell, eigentlich ist alles beim alten. Aber der oft massive, flächige Synthesizereinsatz und die gelegentlichen elektronischen Beats sind hier deutlich präsenter als früher und lassen die neuen Songs sehr modern klingen. Was ihnen meiner Meinung nach durchaus gut zu Gesicht steht.
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